In letzter Zeit lese ich vermehrt, dass der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz, insbesondere von Tools wie ChatGPT, unsere Denkfähigkeit schwächen könnte. Es besteht die Gefahr, dass wir geistig an Schärfe verlieren, wenn wir KI in zu vielen Bereichen für Denken, Schreiben, Rechnen und Analysieren einsetzen. Diese Befürchtung ist nicht völlig unrealistisch, da Bequemlichkeit offenbar zur menschlichen Natur gehört. Genau deshalb ist es wichtig, einem solchen Szenario aktiv entgegenzuwirken. Das bedeutet nicht, auf KI zu verzichten. Ich plädiere weiterhin für einen bewussten Einsatz von Künstlicher Intelligenz, mit klarem Verstand. Wie in vielen anderen Lebensbereichen erfordert auch Lernen Eigenverantwortung. Es liegt an uns, uns nicht von der Flut an Ablenkungen mitreissen zu lassen.
Bewusstes Lernen hält uns geistig wach und stärkt Fähigkeiten, die in Zukunft immer wichtiger werden, reflektiertes Denken, kritisches Hinterfragen, Resilienz und die Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Diese Zukunftskompetenzen gehen verloren, wenn wir nur konsumieren und unsere eigene geistige Leistungsfähigkeit verkümmern lassen.
Vor einem Monat habe ich begonnen, meine siebte Sprache zu lernen, Neugriechisch. Italienisch lerne ich seit eineinhalb Jahren, und ich ertappe mich im Unterricht immer noch dabei, gelegentlich spanische Ausdrücke einzubauen. Glücklicherweise sind Griechisch und Italienisch ausreichend verschieden, sodass dies bisher keine Probleme verursacht hat. Mein zusätzliches Gehirntraining besteht nun nicht nur aus dem Lernen neuer Wörter und Grammatik, sondern auch aus dem Beherrschen eines teilweise neuen Alphabets, eine doppelte Herausforderung. Nicht ganz so anspruchsvoll wie Klavierspielen mit beiden Händen, aber dennoch ein sehr gutes Training.
Oft wird gesagt, dass mit dem Aufkommen von KI das Lernen neuer Sprachen überflüssig werde. Für mich zeigt sich gerade hier, dass KI hilfreich sein kann, aber kein Ersatz für menschliches Lernen ist. Es handelt sich nicht um einen Widerspruch zur Technologie, sondern um eine Ergänzung. KI kann übersetzen, Informationen verarbeiten und Antworten liefern, sie kann jedoch weder für uns denken noch die emotionale Erfahrung des Lernens und Kommunizierens in einer neuen Sprache im interkulturellen Kontext ersetzen. Das Ergebnis mag korrekt sein, wenn man Glück hat, es bleibt jedoch leblos und kühl. Eine Sprache selbst zu sprechen schafft hingegen Nähe und ein Gefühl von Verbundenheit, Respekt und echter Freude, auch wenn Grammatik oder Aussprache noch nicht perfekt sind.
Das Erlernen von Sprachen trainiert Geduld, Konzentration und Mustererkennung. Es erweitert den Blickwinkel, fördert Empathie und erinnert daran, dass Entwicklung immer bei uns selbst beginnt. KI kann uns unterstützen, sie darf jedoch niemals unser Denken übernehmen, denn geistige Stärke bleibt eine bewusste Entscheidung.
